Sonja Reichert

1988 – 1991 habe ich eine Ausbildung im Spinnen, Weben und Naturfärben bei Hiltrud Schröter gemacht. Hiltrud Schröter, geb. Weitemeier * 1931 ist in der Kohlfurter Straße (früher: Britzer Str.) Kreuzberg und dort aufgewachsen. Hiltrud begann früh mit der Malerei. Später qualifizierte sie sich im Weben, gab Kurse im Färben von Wolle mit Pflanzen, und stellte selbst gewirkte Webteppiche her. Sie sorgte dafür, dass ihr Bruder Herbert/ Jimmy sich an der HdK bewarb. Er wurde aufgenommen. Eine Lebensbeschreibung von Hiltrud Schröter – aufgeschrieben von Elvira Surrmann, http://www.weitemeier-jimmy.de/

Wie kam ich dazu? Ein guter Freund aus Ingeleben bei Helmstedt, Horst Müller, ehemalig Germanist an der National Bibliothek in Berlin, hatte seinen Beruf gewechselt, eine Lehre zum Schäfer gemacht und eine Schafszucht übernommen. Damals fuhren die Berliner regelmäßig in „den Westen“ um der Enge in Berlin durch die Mauer für einige Zeit zu entkommen. Das Landleben war absolut in. Ich strickte gerade an einem Hemdchen für meinen ersten Sohn, Noppenwolle, neueste Kreation, 10 DM das Knäul, da stellte mir unser Freund Horst einen ehemaligen Viehfuttersack hin, mit den Worten, das kannst du auch selber machen, diese Knoten in der Wolle. Ich öffnete den großen Papiersack, steckte meine Nase hinein und fiel fast um. Der Geruch von dem ungewaschenen, frischen Fließ war so stark dass es mir die Luft raubte. Trotzdem tauchte ich meine Hände hinein und fühlte das frische Vlies, meine Hände badeten im Lanolin der durchtränkten frischen Wolle. Die Liebe zur Naturwolle war geboren und der Sack ging mit nach Berlin.

Ich begann meinen Unterricht im Spinnen bei Hiltrud Schröter, sie übermittelte ihren Schülern ihre Liebe und Faszination zur Wolle. Wie auch zur Natur, durch sie habe ich große Kenntnisse über Pflanzen und Naturfärben bekommen. Wir haben alles versponnen, von Schurwolle über Seide über Watte (Baumwolle) Alpaka, Mohair (von Tantes Kaninchen) bis Flachs. Hiltrud‘s bildgestalteten Webarbeiten regten uns sehr an und so kam ich auch zum Weben. Es war eine wunderschöne Zeit und daran erinnere ich mich heute noch sehr gerne. Hiltrud ist 1931 geboren, wuchs in Berlin Kreuzberg auf und ich danke ihr ganz herzlich dass sie mir erlaubt ihre Lebensgeschichte, aufgeschrieben von Elvira Surrmann, hier anzufügen.

Alle erworbenen Kenntnisse konnte ich 11 Jahre in Berlin und später auch nach dem Mauerfall in Oranienburg an Kinder und Erwachsene weitergeben. Es war mir wichtig, dass das alte Handwerk nicht verloren geht.

_Als Wolle bezeichnet man nach dem Textilkennzeichnungsgesetz die weichen Haare des Fells (im Gegensatz zum Deckhaar) vor allem der Schafe. Im weiteren Sinne werden damit auch die von anderen Säugetieren (z. B. Ziegen, Kamelartige und Angorakaninchen) gewonnenen spinnfähigen Haare bezeichnet, die häufig mit einem tierspezifischen Vorsatz versehen werden (z. B. Angora-Wolle) oder ausdrücklich als „Haar“ (z. B. Kamelhaar) imponieren. Wolle ist ein nachwachsender Rohstoff, der nachweislich seit dem 4. vorchristlichen Jahrtausend verwendet wird und bis heute trotz Kunstfasern und Baumwolle in der internationalen Wirtschaft eine große Bedeutung besitzt._ Quelle Wikipedia

Das Filzen hatte ich bis dahin noch nicht ausprobiert. Es gibt unterschiedliche Arten, um Wolle gezielt zu verfilzen: Nass- und Trockenfilzen und Strickfilzen. Filz ist robust, schützt vor Kälte, weist die Feuchtigkeit und den Schmutz ab und ist dazu noch ökologisch wertvoll. Dies wussten die Nomadenvölker in Zentralasien schon vor Tausenden von Jahren. Traditionell wird Filz durch heiße Seifenlauge hergestellt und zu einem haltbaren und widerstandsfähigen Stoff verarbeitet. Diese Filztechnik wird nun durch das Strickfilzen erweitert. Strickfilzen heißt: Mit Filzwolle zum Beispiel Filzhausschuhe stricken, in der Waschmaschine verfilzen, danach in Form bringen, trocknen, fertig. Eine wunderbare Methode, mit Nadeln und Wolle eine wertvolle Filzarbeit herzustellen.

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